Kapitel 2 : Leseanleitung für Neurotransmitter

Kapitel 2 : Leseanleitung für Neurotransmitter

oder: warum wir jeden Tag verletzt werden.

Ich möchte eines vorausschicken: Du, lieber Leser, (oder „Sie“, falls SIE sich noch nicht an das vorher gesagte zum Thema auf Seite <<  gewöhnen können) – wir sind alle Triebler…

Soll heißen, wir sind im Kern der Urzeitmensch. Das mag für manche auch heute optisch und verhaltenstechnisch zutreffend sichtbar sein, aber darum geht es natürlich nicht.

Laut Marisa Peer* (Hypnosetherapeutin und Psychologin) haben wir zwei grundlegende Triebfedern, die unsere Handlungen bestimmen, unsere Gedanken malträtieren, die uns steuern, die uns so agieren lassen, wie wir es tun:

Zugehörigkeit & Verbindung

1: Zugehörigkeit.

Nichts ist so stark wie der Wille, dazuzugehören. Weil wir Zugehörigkeit zum Überleben benötigen – ohne Zugehörigkeit keine Bildung, keine Familie zu gründen, kein soziales Umfeld, keine Sicherheit.

Schlicht: Nichts.

Schon Shakespeare hat in seinem berühmten Balkonstück Romeo im dritten Akt, dritte Szene sagen lassen: „Von hier verbannt ist aus der Welt verbannt, Und solcher Bann ist Tod.“ Für ihn ist aus Verona ausgestoßen zu sein schlimmer als der Tod. Nicht zuletzt das Getrenntsein von der Geliebten – die Steigerung des sicheren Todes. Diese Qualen wurden immer wieder besungen, beschrieben, durchlebt. Auch von Dante, dem forscheren Vergil in den neun Höllen.

Verbannung ist eines der wirksamsten Mittel, um Menschen gefügig zu machen: Gefängnisse verbannen aus der Gruppe der Häftlinge mit Einzelhaft, Eltern verbannen, indem sie die aufsässigen Kleinen ins Zimmer schicken, die Youngster mobben, verbannen verbal oder körperlich durch Prügel, Facebook Gemeinschaften versprühen Zugehörigkeit oder Ausschluss durch Daumen hoch, Daumen runter.

Verbannung und Ausschluss aus der Gruppe bedeutet seit Anfang der Menschheitsgeschichte den sicheren Tod. Und selbst Anführer brauchen jemanden zum… Anführen. Also müssen sie zumindest mal ein Teil der Gruppe gewesen sein.

Wenn der Wolf das Rudel verlässt, stirbt er – wenn der Elefant die Herde verlässt, geht er sehenden Auges sterben.

Deswegen ist es seit Anbeginn der Zeit das Bestreben von Menschen, dazuzugehören. Sie tun alles dafür – auch sich unter Zwang ändern – sich durch die Gruppe zu „konfirmieren“. Zufall oder gewolltes Wortspiel der Religion? Du darfst mal philosophieren!

Tatsächlich gab es in früheren Zeiten in Kirchen die „Abtrünnigen Fenster“ –  für alle aufsässigen oder abtrünnigen, nicht der Norm ( Religion und Geboten) folgenden Gemeindemitglieder. Also die, die ausgestoßen werden müssen, nicht dazugehören dürfen.

Eben jene mussten ja die Messe trotzdem besuchen, um von Ihrem Frevel befreit werden zu können, um gesegnet zu sein. Doch bitteschön nicht unter den weißen Schafen! So mussten sie bei Wind und Wetter draußen an diesem Fensterchen kauern und kniend dem heil spendenden Gottesdienst lauschen und VOR Ende der abschließend pastoralen Segnung wieder verschwinden – um ja keinen Kontakt zu anderen zu haben.  Die Segnung war noch weit entfernt. Also hatten sie keinerlei Verbindung mehr zur sozialen Gruppe. Das heißt:

2: Verbindungen

Der zweite fanatische Impuls, der uns antreibt. Verbindungen schaffen – egal wie. Jeder möchte und MUSS sozial verbunden sein. Brutale Menschenversuche, auch an Kindern, haben gezeigt, dass ein Mensch ohne soziale Kontakte letztendlich stirbt. Das der Mensch kein Eremit ist, zeigt auch das >>Stockholm Syndrom:
Opfer von Entführungen suchen selbst zu ihren brutalsten Peinigern Kontakt, versuchen eine Verbindung aufzunehmen. (Vergleiche Fälle Natascha Kampusch).

Den Ursprung dieses Namens hat der Fall aus Schweden von 1973, auch als „Sympathy for the devil“ bekannt. Eines der damalige Entführungsopfer Kristin Enmark, 23, wurde im Krankenhaus von Psychologen befragt. Tags zuvor war die Geiselnahme nach 131 Stunden zu Ende gegangen. Als die Polizei den Raum stürmt, um Olsson und Olofsson (Täter)  zu überwältigen, schreit Kristin Enmark: "Tut ihnen nicht weh, sie haben nichts getan!" Draußen, vor all den Kameras und Mikrofonen, ruft sie Olofsson nach: "Wir sehen uns wieder!" Alle Geiseln sind unverletzt. Die Geiselnahme ist beendet. Die erste Frage im Krankenhaus an Enmark lautet: "Sind Sie verliebt in Clark Olofsson?"

Ein Jahr später macht der Fall der Millionenerbin Patty Hearst, die Enkelin des legendären Zeitungszars William Randolph Hearst, Furore. Sie läuft später sogar zu ihren ehemaligen Peinigern über und wird ein der meist gesuchten Bankräuber(innen)  der USA.

Opfer wie Kampusch, Enmark, Hearst und viele andere haben eventuell Sex mit den Tätern, sprechen obendrein noch von Liebe.

Aber wir müssen nicht so extrem werden – ein Blick in den Alltag genügt: Warum funktionieren Social Media wie Facebook, Singlebörsen, Skat, Fussball, Hunde, Hühner und sonstige Vereine, Motorradclubs, NeoNazis, Al Kaida, IS, oder die Zeugen Jehovas so gut? Weil selbst die aberwitzigste und abwegigste Form von Kontakt Verbindung schafft. Ein schlauer Kopf hat vor gar nicht allzu langer Zeit mal recherchiert, welche Charaktere sich dem IS anschließen. Es sind nicht die jungen, desillusionierten Männer ohne Perspektive, die einfach draufkloppen wollen. Mitnichten… ( ich finde das Wort toll.)
Es sind Dozenten und Studenten, die ihren Idealen folgen wollen, und aberwitzig glauben, im IS ihren streitkräftigen Background zu finden, es sind Geschäftsinhaber, die mit der Politik und der Wirtschaftssituation nicht klar kommen, es sind Familienväter die es leid sind, sich von der Regierung gängeln zu lassen und keine Perspektive für ihre Kinder zu sehen, aber natürlich auch die Knallchargen, die es toll finden, sich mit einer AK47 grölend und vermummt in irgendwelchen Facebook Videos zu präsentieren.

Alle bedienen sie ein einziges Ziel – von humanistisch gesellschaftlich lobenswerter Ambition bis hin zu perfide brutal und menschenverachtenden Zügen:  das Ziel der Verbindung – der… genau – ich sehe es dich schon mit den Lippen formen: ZUGEHÖRIGKEIT.

Und mit welchen Mitteln arbeiten diese Gruppen, Vereinigungen, Gangs und Gemeinschaften? Mit Drohungen der Ablehnung – mit Rauswurf, mit Nicht-Zugehörigkeit, mit Cut der Verbindung.

Pass dich an und du darfst bleiben – bist du nicht konform, fliegst du raus! Oder du stirbst. Abtrünnigen Verfolgung.

Nach dem Prinzip arbeitet leider auch unser Schulsystem, das die nicht angepassten Aufrührer ausgrenzt- erst durch schlechte Noten, dann mit Klassenverbannung (Ehrenrunde) , im schlimmsten Fall Rauswurf- doch… ach ich schweife schon wieder ab! Aber Vorsicht - ich hol das Thema wieder! Wer mich kennt, weiß das! Ich habe noch ein Kapitel in einer meiner vielen Kopfnischen:

Todsünde: Augenzeuge! Oder wie Lügen belohnt wird.

Doch zunächst zurück zum Thema hier:

Warum sind diese beiden Punkte so wichtig? Die Ablehnung und die Verbindung?

Weil sie aktuell für vieles die Wurzel des Übels sind.

# Wer jetzt der visuelle Typ ist, der blättert zurück mit dem Gedanken: Moment, das mit dem Übel und Wurzel hatten wir schon mal… ich lasse kurz eine Pause, damit der Blätterer eben liest, dass ich bei der Birkenbihl Sache und der Genetik von der Wurzel ALLEN Übels gesprochen habe - moment, hier nochmal :
Kapitel Birkenbihl und Wurzel des Übels...   ….- ahhhhh  gut . Gefunden?
- Lesepause- 

Also weiter…:

Zugehörigkeit und Verbindungsmanie (im positiv gemeinten Sinne – ich bin auch manisch… und du auch… und SIE auch!) produziert eine Abneigung gegen Ablehnung.

Ablehnung heißt raus! Und alle derjenigen, die in Zukunft das Brett beim „Mensch ärger dich nicht“ wütend durch die Gegend feuern, weil ihr allerletztes `Manschgal‘, wie wir in Bayern sagen würden, kurz vorm Ziel `rausgeflogen ist, haben nun eine perfekte Entschuldigung:

„Hör` auf zu maulen über meinen Anfall - Ich lebe und artikuliere nur die Grundbedürfnisse der Menschheit – eben etwas impulsiver!“

Ob die Argumente mit  hochroter Birne und irrem wutverzerrten Blick nach dem abrupten Spielende noch glaubwürdig erscheinen, sei dahingestellt.

Zurück zum Thema: Ablehnung – die Guillotine des Selbstwertgefühls, der Stich ins Herz des Vertrauens, der tödliche Herzinfarkt der Sicherheit und der Geborgenheit.

Und wir alle begegnen jeden Tag Ablehnung: Die Ehefrau, die mault, dass die Socken auch in die Wäsche dürfen, die Tochter, die quakt, dass die Mama von Jassy eh viel cooler ist, weil Jassy schon bis ein Uhr nachts in die Disse darf, der Chef, der motzt, weil das Logo auf dem Briefpapier eigentlich noch drei Millimeter nach rechts müsste, und man das doch zum Teufel auf dem Schirm haben muss, der Kollege, der sich lässig an den Schreibtisch lehnt und meint: “Also deine Präsi eben im Meeting war auch nicht der Bringer – das kann Klaas echt besser – geh` mal hin zu dem und hol dir Tipps fürs nächste Mal. Ich steh` sonst echt auf vom Tisch, schwör ich dir!“

Jeden Tag – manche Ablehnungen sind schon so Routine, dass wir GLAUBEN, wir hätten uns daran gewöhnt. Wir nehmen sie nicht mehr bewusst als verletzend wahr. Aber sie programmieren uns – besser gesagt – unser Gehirn. Biochemisch setzen diese akustischen Reize Neuro-Transmitter (chemische Botenstoffe) in Gang und vergiften unseren Körper im wahrsten Sinne des Wortes.

Vor diesem Gift muss man sich schützen.

Wer auch von Psychologen nicht viel halten mag, da sie den Beruf angeblich gewählt haben um sich selbst zu therapieren, so sind sich doch (die Guten) alle einig: Viele mentale Probleme lassen sich auf Ablehnung zurückführen: Das Kind, welches von der Mutter abgelehnt wurde, schleppt diese Verletzung mit ins hohe Alter, wenn… ja, wenn sie nicht geheilt wird.
Wichtig ist noch zu erwähnen, dass es verschiedene Menschentypen gibt - das behandeln wir noch im Detail!

Warum?

Weil DU dich in einem wiederfinden wirst und verstehen wirst , WARUM dir Mutters Gemaule so weh getan hat, aber es deinen Bruder völlig kalt ließ - und bis heute lässt!

Selbstverständlich kann man sich schützen, und dafür muss man nicht unbedingt eine geführte Therapie machen. Wir tragen alles, was wir brauchen, in uns. Es muss nur aktiviert werden. Dazu aber kommen wir später.

Nein, das sage ich nicht, damit du jetzt weiter liest und auf das Kapitel mit „Annahme verweigert“ (noch im Aufbau) hechelst, sondern weil du erst ein paar Dinge verstehen solltest, BEVOR du dich damit effektiv beschäftigen kannst, und die Tools die ich dir geben möchte, einsetzt!

Und nein: Ich bin nicht der Guru für Selbstheilung und mentale Gesundheit – ich habe dir nur einen kleinen Schritt voraus: ich kenne die Werkzeuge – und du bald auch!

Weil ich sie für dich gesammelt habe!

Wild Boar (c) 2017 Ute Bescht
Mit Volldampf ins Verstehen.

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*Marisa Peer: Quelle aus :

How to avoid rejection and get connection: Marisa Peer at TEDxGoodenoughCollege

Marisa Peer im Netz: Marisa Peer COM

Lass den Hai ins Meer