freies Kapitel: Dunning Kruger Pfeifen oder…

Brainhacks aus Harpstedt: Hier sagt man "MOIN²"
- heute: Dunning – Kruger - Effekt

 

Ist der Dunning-Kruger Effekt Absicht oder nur die Couch des Gehirns, deren Sigmund Freud „Angst“  heißt?

Kurze Einschläuung:  Dunning-Kruger - Effekt , auch "Pfeifen an die Macht" oder: ungesundes Halbwissen verbreiten, glücklich sein und darauf beharren.

Wenn Menschen nichts wissen, sich aber beseelt als Experte fühlen, bringt es die wahren Profis auf die Palme. Die Pfeifen allerdings kratzt es nicht, da diese ein beratungs- und kritikresistentes Ganzkörper-Kondom tragen.

Ein Beispiel aus der Praxis- und ich muss nur ein Stichwort geben: DSDS- und mit ihm : Dieter Bohlen. Warum, in aller Welt, bewirbt sich ein Untergeschoss-Talent sage und schreibe siebenmal – in Zahlen und in Worten 7 Mal, bei dieser Verheizersendung unter dem ständig flachverbal agierenden Thekenlästerer Bohlen. Und siebenmal wird er rausbefördert. Sein Name: Menderes Bagci. Jedes Mal grient er wieder feist in die Kamera und ist inbrünstig überzeugt von seinem Talent!

Ich liebe Menschen , die an sich glauben. Es muss viel mehr davon geben, aber nur solange es die restliche Bevölkerung nicht nervt. Gut – DSDS kann man abschalten – gottseidank. Aber was ist mit meinem Bürokollegen, was mit schlimmsterweise meinem Chef?

Auch eine Pfeife? Von meinem Bereich nur theoretisch Ahnung? Kommt immer mit den besten Lösungen für mein (eigentlich gar nicht vorhandenes) Problem, und will das dann partout so umgesetzt haben?
Je weniger man also weiß, für desto schlauer hält man sich. "Unwissenheit erzeugt viel häufiger Selbstvertrauen als Wissen", hat schon Charles Darwin geäußert. Und irgendwann hat mal ein noch klügerer Geist gemeint :

Je mehr ich weiß umso mehr weiß ich das… ihr kennt es alle und könnt es mitbeten!
Aber woher kommt das?

Das liegt an unserer Musterverliebtheit UND der eigenen Arroganz, das wir ungerne Nicht-Wissen zugeben. Plus die Tatsache, dass es auch einer gewissen Intelligenz bedarf, seine Unwissenheit überhaupt erst zu realisiseren.

Unser Gehirn stellt sich jeder neuen Situation mit ein und demselben Muster: Kenn ich das? Kann ich das einordnen? Ja/ Nein – Abfrage. Geht es zu „JA“- prima: Verhaltensmodus an: Automatismen laufen ab – zum Beispiel das (hoffentlich) allmorgendliche Zähneputzen.

Abfrage ergibt „NEIN“: Schnell alle anderen Schubladen durchgeforstet, ob es ähnliche Situationen schon mal vorher gab. Und das Hirn ist fantastisch im Finden von Ähnlichkeiten – ob vorhanden oder nicht. Darum klappt auch der Fake, wenn Frauen sich das 112te Paar Schuhe kaufen, der dazugehörige Mann es abends widerwillig zur Kenntnis nimmt und mault,  aber sofort wieder beruhigt ist, weil sie sagt: Die sind alt – die hab` ich schon lange!

Ist aber auch der Effekt, den Kriminalbeamte nicht gerne sehen und der auch in der Justiz verheerende Folgen kann: Zeugen identifizieren einen Verdächtigen. Trefferquote: 0,5% - oftmals. Aber da spielen noch andere Dinge eine wichtige Rolle – dazu an anderer Stelle mehr.

Erfüllt nun die Situation so überhaupt kein bekanntes Muster, schrecken wir erstmal zurück – die berühmte Furcht vor dem Unbekannten. Den Mutigen gehört die Welt, heißt es – und Pfeifen mit Dunning-Kruger – Syndrom sind Feiglinge, die sich nur in ihrem eingebildet weiten Horizont bewegen wollen. Darum gibt es typische Pfeifensprüche, zum Beispiel:
„Das haben wir schon immer so gemacht – das bleibt so!“

Die  Pfeifen, die glauben, sie sind das Orchester: Es fehlt an Intelligenz, die eigene Unzulänglichkeit einzuschätzen. So einfach kann man es runterbrechen.  Aber tatsächlich mag es eine Art Selbstschutz sein – das übersteigerte Perfektionismus-Empfinden.

 

Sind wir nicht alle ein bisschen DKE- Pfeifen?

Den wahren Pfeifen aber zu Gute: Wir alle fallen dem DKE (Dunning-Kruger-Effekt ) zum Opfer- mehr oder minder schwer.

Ich auch! Ich schätze zum Beispiel meine Fahrküste weitaus höher ein, als sie wohl wahrlich sind. Ich rege mich über Frauen ab 40 hinter dem Lenkrad auf, die bei Begrenzung 50 Strich 49 fahren, hasse Orange-Bremser und Dunkelgrün- Anfahrer, schreie in meinem Wagen das Landvolk an, das die Straßen unnötig zum Berufsverkehr blockiert und male mir aus, welche Verbote und Neuerungen ich einführen würde, wenn ich die Macht über das Verkehrsministerium und deren Gesetzgeber hätte.

Wie entflieht man dem kognitiven Fehltritt? Wie vermeidet man diese Falle der gnadenlosen Selbstüberschätzung?

Feedback holen – von Mentoren, von Leuten, die auf alle Fälle von der Materie mehr Ahnung haben. Kritik anhören, ohne das Resistenzschild zu aktivieren – kein Meinungs-Antibiotika einwerfen. Grenzen erweitern – trauen, sich Neuem zu stellen. Die Richtung des Denkens der runden Form des Kopfes anpassen.

Ich versuche es mit meinen ganz persönlichen Mönchen und gebe zu, es ist verflucht schwer!

Alle wirklichen Profis allerdings haben auch ein Problem – eher bekannt als das „Mathelehrer-Syndrom“. Da erklärt dieser brillante Kopf die wunderbar logische Welt der Mathematik und schwelgt in seinen Formel , liebkost seine Primzahlen und erfährt fast sexuelle Erregung bei Cosinus und Tangens. Und wir, die Zurückgebliebenen an der nicht abstaktionsfähigen Basis? Wir bestaunen diese verwirrend schönen Zeichen an der Tafel und entwickeln den Frust des mathematisch Unbegabten. Ich war auch einer davon! Bis mir die Computer über den Weg liefen… und ich irgendwie Gefallen daran fand dass die Werte 128 - 256 – 1024 – 2048 etc… alles Primzahlen sind und Blumenblätter auch irgendwie was mit der Ludolfschen Zahl PI π zu tun haben. Aber egal – zurück zum Thema:

Hast du eine DKE-Pfeife als Chef – geh! Du wirst ihn nicht ändern!

Hast du eine DKE-Pfeife als Kollegen – meide ihn wenn möglich.

Hast du eine DKE-Pfeife als Mann – selbst schuld.

Ist es deine beste Freundin? Liebe sie! Für das, was sie ist. Denn sonst wäre sie nicht deine Freundin!

 

Und allen Profis und Inselbegabten da draußen sei gesagt: Die Welt ist nicht so wie ihr, sie denkt nicht euer Muster, sie ist nicht so klug und weitsichtig – also bitte, seid ihr nachsichtig! Erkennt, dass ihr zwar etwas Großartiges habt, aber erkennt an, dass ihr euer Wissen nicht als gegeben voraussetzen könnt. Und für uns alle gilt eines:

Bevor du dich darüber aufregst, dass du hier mit einem Idioten sprichst, stell sicher, dass dein Gegenüber nicht dasselbe tut!

Grüße aus dem Dienstag – Abend Harpstedt…😉

Wer es noch nicht kennt:

http://haieaufbulldozern.utebescht.de/

 

 

 

 

 

Lass den Hai ins Meer

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